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Mykolaiv, 17./18. Oktober 2026 inlandvertriebene u. ältere Personen

Jürg Roth

Unter widrigen Wetterbedingungen starten wir in der Nacht vom 17. auf den 18. nach Mykolaiv. Im dichten Nebel mussten wir die Strasse buchstäblich suchen. Nur Stunden zuvor war die Infrastruktur von Vinnytsa Ziel russischer Attacken. Wir alle spüren, dass der Krieg näherkommt und dass Amerika dem Aggressor zusehends mehr Wohlwollen entgegenbringt als der Ukraine.

Zur vorgesehenen Zeit erreichen wir Mykolaiv und werden von Larisa mit ihren Kulbakino Frauen in gewohnt herzlicher Weise begrüsst. Wie immer unterstützen uns viele freiwillige Helfer bei der Bereitstellung der Hilfsgüter. Ganz unerwartet kommt es zu einem Wiedersehen mit David (Klausbescherung Mykolaiv, Ende November 2025). Er überrascht mich mit einem selbstgebackenen Käsekuchen und erzählt vom schwierigen Leben als inlandvertriebener Flüchtling. Auch seine Eltern, Geschwister und Grosseltern haben in Mykolaiv Unterschlupf gefunden. Der Schulbetrieb sei durch die vielen TRIVOGA (Alarme) immer wieder gestört und dass im Schutzbunker ein seriöses Lernen fast unmöglich sei. Auf meine Frage, wie er von unserem Besuch bei der Kulbakino Stiftung erfahren habe meint er, das sei Allgemeinwissen in der Gegend. Solche Neuigkeiten verbreiten sich in Windeseile. Nach diesem intensiven Geplauder ermahne ich die Anwesenden auf den Ernst der Lage in der ganzen Ukraine und bitte alle zu einer Schweigeminute für die tapferen Soldaten an der Front.

Nach der Verabschiedung von David beginnt die Verteilung der mitgebrachten Hilfsgüter. Trotz frostigem Herbstwetter haben sich bereits viele Menschen vor dem Lokal der Kulbakino Stiftung eingefunden. Die Kontrollen sind auch heute sehr streng; nur die eingeschriebenen und anerkannten Inlandflüchtlinge sind berechtigt, Hilfsgüter abzuholen. Die Kulbakino Frauen kennen die meisten Flüchtlinge und wissen auch über deren Familienverhältnisse genau Bescheid. Larisa weist auf die stets wachsende Zahl der inlandvertriebenen Menschen hin. Neben den vielen alten und oft behinderten Menschen sind die Kinder mit ihrem Lächeln eine wahre Wohltat, wenn sie den kleinen Sack mit Süssigkeiten bekommen. Unzählige Menschen danken mir für unsere Hilfe, die ich gerne an die ULS weiter leite. Sie schütteln mir die Hand, umarmen mich und lassen ihren Emotionen freien Lauf. Nach drei anstrengenden Stunden bin ich erschöpft und werde von Oksana abgelöst. Jetzt kann ich mich auf den Imbiss freuen, den die Kulbakino Frauen mit viel Engagement und Liebe für uns vorbereiten haben.

Larisa und ihre Stellvertreterin Inna danken uns für die grosse Hilfe und auch die moralische Unterstützung, die wir allein durch unsere Anwesenheit bekunden. Beide bitten mich, diesen Dank an meine Freunde in der ULS weiter zu leiten. Einmal mehr wird mir bewusst, dass die durch Krieg vertriebenen Menschen nicht nur für unsere Hilfsgueter danken, sie brauchen gleichermassen auch die moralische Unterstützung. Olga verdankt im Namen von VMD die liebenswürdigen Worte von Larisa und Inna und verspricht, auch in Zukunft die Kulbakino Organisation nicht zu vergessen. Mit den verschiedenen Besuchen in Mykolaiv habe sich eine Vertrautheit und ein Gefühl der grossen Verbundenheit im Kampf gegen das Böse entwickelt. Besonders geschätzt wird, dass ausschliesslich heimische und von den Beschenkten bekannte Produkte verteilt werden. Zugleich wird dadurch auch das lokale Gewerbe unterstützt.

Gegen 17 Uhr müssen wir leider aufbrechen, denn uns steht eine lange Rückreise bevor. Zum Glück hat sich das Wetter etwas gebessert und der dichte Nebel von vergangener Nacht hat sich verzogen. Sasha bringt uns wohlbehalten nach Vinnytsa zurück, wo wir eine Stunde nach Mitternacht vor fast genau 24 Stunden aufgebrochen sind.