Jürg Roth
In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2026 fahren wir 4 von VMD, (Olga, Oksana, Sasha und ich) nach Dobroslav, einer kleinen Stadt etwas nördlich von Odessa. Nach einer 7½-stündigen Fahrt treffen wir Anastasiia Bezveziuk, Direktorin der sozialen Dienste. Mit lokaler Hilfe werden die Esspakete und ein Teil der Hygiene- und Haushaltartikel entladen. Nach etwa einer Stunde erwarten wir den zweiten Van mit dem Gros der Hygiene- und Haushaltartikel. Trotz eisiger Kälte warten bedürftige Menschen geduldig auf die lang ersehnte Hilfe.
Vorerst verteilen wir die Hygiene- und Haushaltartikel wie Seifen, Shampoo, Waschpulver Zahnpasta und Bürsten in die mitgebrachten Plastiksäcke. Anastasiia hat uns ein ganzes Team von freiwilligen Helfern zugeteilt. Vor der Abgabe der Hilfsgüter wird eine genaue Personenkontrolle durchgeführt. Die 250 inlandvertriebenen Familien warten geduldig und äusserst diszipliniert. Vor dem Krieg führten diese Menschen ihr eigenes, selbstständiges Leben in ganz verschiedenen Regionen der Ukraine. Sie alle mussten ihr Haus und ihre vertraute Umgebung in grösster Eile verlassen, als die russischen Truppen vorrückten oder ihr Heim von Drohnen und Raketen zerstört wurde. In Dobroslav haben diese inlandvertriebenen Familien eine provisorische Aufnahme gefunden, aber eine definitive neue Heimat wird es wohl nicht werden, denn eine bezahlte Arbeit, eine wirtschaftliche Existenz mit Zukunft wird es in dieser typischen Landwirtschaftsgegend nur für die aller wenigsten geben. Jetzt, nachdem sie ihr Leben retten konnten, sind diese Menschen auf Almosen angewiesen, was für die meisten eine äusserst schwierige Situation darstellt. Die Esspakete und Hygieneartikel sind für diese Familien eine enorm wichtige Hilfe, um die nächsten Tage und Wochen zu überstehen. Gegen 15:00 Uhr holen letzten Familien ihre Hilfspakete ab und im Zentrum der sozialen Dienste lichten sich die Reihen.
Anastasiia berichtet uns von der Einladung der Bürgermeisterin Lyudmila Prokopechko im einfachen, aber gut gepflegten Rathaus zu einer Aussprache. Sie ist eine bodenständige, sympathische Frau. In wenigen Worten dankt sie der VMD für die grosszügige Hilfe und bittet mich, diesen Dank für die erstmalige Hilfe in Dobroslav an meine Freunde in der Schweiz weiterzugeben. Lyudmila findet den persönlichen Kontakt mit den Helfern als bereichernd und äusserst wertvoll. Für die kleine Gemeinde ist die Betreuung von 250 Flüchtlingsfamilien eine grosse Herausforderung und eine enorme finanzielle Belastung.
In wenigen Worten erwähnte ich den ursprünglichen Gedanken der Hilfe an Bedürftige durch unseren grossen Spender Urs Lanz. Sehr bald nach dem russischen Überfall war Urs Lanz bereit, den vom Krieg geschädigten Menschen zu helfen. Daraus entwickelte sich eine eigenständige Struktur zu Gunsten der schwächsten Glieder der ukrainischen Gesellschaft.

Von l nach r Anastasiia, Olga, JR, Lyudmila (Bürgermeisterin von Dobroslav), Oksana, Sasha, Assistent von Lyudmila.